Pro Kilogramm erzeugter Mikroalgenbiomasse wird die Kohlenstoffmenge aus circa zwei Kilogramm CO2 gebunden. Die Mikroalgentechnologie eignet sich damit hervorragend als Unit Operation für die biologische CO2-Fixierung und die Produktion von Koppelprodukten in Bioraffinerien, um die Entsorgung bzw. Reinigung eines Abfallstroms mit der Wertschöpfung durch entstehende Produkte zu verknüpfen.
Mikroalgen-Modul für CO2-Nutzung auf Kläranlagen
Im Projekt RoKKa konnte ein Mikroalgen-Verfahrensmodul nährstoffreiche Prozessströme der Kläranlage sowie CO2 aus dem Faulgas der Kläranlage in Biomasse und wertvolle Speicherstoffe umwandeln. Für die Nährstoffversorgung der Mikroalgen wurde neben dem Filtratwasser, das reich an Ammonium-Stickstoff ist, das im ePhos-Modul produzierte Magnesium-Ammonium-Phosphat zudosiert, um die geringe Konzentration von Phosphat im Filtratwasser auszugleichen und ein optimales Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor zu erreichen. Der eingesetzte Mikroalgenstamm Phaeodactylum tricornutum produzierte hier pflanzenstimulierende Polysaccharide, sogenannte Beta-Glucane. Diese können Pflanzen bei der Abwehr von Pilzinfektionen wie Mehltau unterstützen und in Zukunft chemische Pflanzenschutzmittel teilweise ersetzen, beispielsweise im Weinbau.
Mikroalgen-Modul für Nutzung von CO2 aus Fermentationen
Eine Bioraffinerie in eine bestehende Industrieumgebung am Standort der Evonik Operations GmbH in Rheinfelden zu integrieren, war Ziel des Projekts SmartBioH2-BW. Mittels zweier miteinander verknüpfter biotechnologischer Verfahren (Purpurbakterien und Mikroalgen) sollten aus anfallenden industriellen Abwasser- und Reststoffströmen Biowasserstoff und weitere biobasierte Produkte erzeugt werden. Hier wurde eine Mikralgen-Anlage an das Purpurbakterien-Modul gekoppelt, in dem Kohlenstoffdioxid (CO2) als Nebenprodukt anfällt. Die Algen binden es in ihrer Biomasse und produzieren hierbei weiteren Wasserstoff sowie Stärke.
Auch im Projekt »H2Wood – Black Forest« wurde ein Algenmodul integriert, um CO2 aus der bakteriellen Fermentation zu nutzen. Mit der Mikroalge Chlorella sorokiniana können daraus unter Lichteinfluss Speicherstoffe wie Stärke und Carotinoide wie Lutein als weitere, von unterschiedlichen Industriebranchen verwertbare Koppelprodukte synthetisiert werden.