Produkte aus Mikroalgen

Mikroalgen zur nachhaltigen Herstellung von Grund- und Wertstoffen

Mikroalgen produzieren eine Vielzahl industrieller Grundstoffe wie Polysaccharide, Fettsäuren, Carotinoide, Vitamine, Proteine mit einem hohen Wertschöpfungspotenzial für die Pharma-, Nahrungsmittel-, Futtermittel-, Agrar- und die Kosmetikindustrie sowie auch Biokraftstoffe und Plattform-Chemikalien für Biopolymere und Textilien. 

Das Fraunhofer IGB baut auf langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Prozessen zur Herstellung verschiedenster Produkte aus Mikroalgen, beispielsweise:

  • Polysaccharide, z. B gesundheitsfördernde, pflanzenstimulierende oder in der Tierzucht antibiotisch wirkende beta-Glucane
  • Fettsäuren, z. B. essenzielle Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA
  • Carotinoide, z. B. Lutein, Fucoxanthin, Astaxanthin
  • Vitamine
  • Proteine
  • Biokraftstoffe
  • Grundstoffe für Polymerchemie (Kunststoffe, Textilien)
Grüne Algen mit rötlichen Farbpigmenten
Die Mikroalge Haematococcus pluvialis produziert den roten Farbstoff Astaxanthin.
Mikroskopische Aufnahme der Mikroalge Chlamydomonas reinhardtii, 1000-fache Vergrößerung.
© Fraunhofer IGB
Mikroskopische Aufnahme der Mikroalge Chlamydomonas reinhardtii, 1000-fache Vergrößerung.

Einsatzmöglichkeiten von Algeninhaltsstoffen und Algenbiomassen

Human- und Tierernährung

Mikroalgen produzieren Polysaccharide, wichtige Omega-3-Fettsäuren, Carotinoide, Vitamine oder Proteine. Das macht Algen für die Verwendung als ernährungsphysiologisch ausgewogenes Lebensmittel oder Futtermittel oder zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln interessant. Dabei können sie direkt in Lebensmitteln verarbeitet werden wie auch in getrockneter Form.

  • Proteinreiche Algenbiomasse zur Verarbeitung in veganen Fisch-Ersatzprodukten oder für die Tierernährung
  • Fettsäuren, z. B. essenzielle Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA
  • Carotinoide, z. B. Lutein, Fucoxanthin, Astaxanthin
  • Vitamine
  • Gesundheitsfördernde Polysaccharide

Landwirtschaft und Weinbau

  • Pflanzenstimulierende oder in der Tierzucht antibiotisch wirkende beta-Glucane
  • Gegen Schädlinge abwehrend wirkende Algenbiomassen, z. B. gegen die Kohlfliege oder Mehltau
  • Biodiesel aus fettsäurereicher Algenbiomasse

Kosmetik

  • Als Farbstoff/Pigmente einsetzbare Carotinoide, z. B. Lutein, Fucoxanthin, Astaxanthin

Chemie und Kunststoffe

  • Stärkereiche Algenbiomasse für die biotechnologische Ethanolfermentation
  • Fettsäuren für die Veresterung zu Fettsäuremethylestern (FAME, fatty acid methyl ester) als Grundstoffen für Polymerchemie (Kunststoffe, Textilien)
  • Fettsäurehaltige Algenbiomasse zur Herstellung von Kraftstoffen (Biodiesel)
  • Wasserstoff

 

Nutzbare Algeninhaltsstoffe.
© Fraunhofer IGB
Nutzbare Algeninhaltsstoffe.
© Fraunhofer IGB
Das Carotinoid Fucoxanthin wird von der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum produziert.
Laminarinreiche Biomasse von Phaeodactylum tricornutum.
© Fraunhofer IGB
Laminarinreiche Biomasse von Phaeodactylum tricornutum.

Leistungsangebot und Zusammenarbeit

Die Arbeitsgruppe Algentechnik am Fraunhofer IGB entwickelt Prozesse für die maßgeschneiderte Herstellung verschiedenster Produkte aus Mikroalgen und Cyanobakterien in Flachplatten-Airlift-Reaktoren vom Labor- bis zum Pilotmaßstab. Dabei berücksichtigen wir auch Konzepte zur Verbesserung der Produktivität und Biomasseausbeute unter Nutzung von Abgas-CO2 und Flüssiggärresten. 

Gezielte Prozessführung für hohe Ausbeuten

Durch gezielte Prozessführung gelingt es uns dabei, Algen mit hohem Gehalt an gewünschten funktionellen Inhaltsstoffen herzustellen. In unseren modular skalierbaren automatisierten Photobioreaktoren können wir die Aufarbeitung von Algeninhaltstoffen für Biomassen im Kilogramm-Maßstab sowie Produktionsprozesse im Pilotmaßstab überprüfen.

Optimierte Aufschluss- und Aufarbeitungsverfahren

Für eine Erhöhung der Wertschöpfung aus Algenbiomasse entwickeln und optimieren wir zudem Konzepte und Methoden zur Gewinnung verschiedener funktioneller Inhaltsstoffe aus Algenbiomasse: Carotinoide wie Fucoxanthin und Astaxanthin, die Omega-3-Fettsäure EPA als polares Glycolipid oder Proteine und Triglyceride für die Produktion von Lebensmitteln, Futtermitteln, Kosmetika, Agrarchemikalien, Biopolymere und als Ausgangsstoffe für biobasierte Polymere. Hierbei setzen wir auch neue Aufarbeitungstechnologien ein, wie beispielsweise die Extraktion von Carotinoiden und Omega-3-Fettsäuren, einen Zellaufschluss mittels Druckwechseltechnologie sowie die Extraktion mit sub- oder überkritischen Fluiden.

Zusammenarbeit

Wir optimieren die Herstellung je nach gewünschtem Produkt und stellen Start-ups und Unternehmen der Lebensmittel-, Futtermittel- sowie Kosmetikindustrie natürliche Extrakte mit gesundheitsfördernden Eigenschaften oder entsprechende Algenbiomassen zur Weiterverabeitung in entsprechenden Produkten zur Verfügung.

Gerne untersuchen wir auch, wie Sie die Extrakte nutzen können oder stellen Mustermengen zur Verfügung.

 

Ihr Benefit

  • Marktfähige Technologie und IP
  • Ethisch einwandfreie Produkte mit großer Kundenakzeptanz: klimafreundlich, vegan, gesund
  • Rohstoff-Resilienz
    • Lokale Herstellung, keine Transportwege und Abhängigkeit von Lieferketten 
    • Agrarproduktion ganzjährig möglich, unabhängig von saisonalen und klimatisch bedingten Schwankungen
    • Durch Kombination mit CO2-Punktquellen
  • Ressourceneffizienz
    • Geringer Land- und Wasserverbrauch
    • In Kombination mit erneuerbarer Energie wirtschaftlich betreibbar durch Prozess-Elektrifizierung
  • Im CO2-Emmissionshandel einsetzbar
  • Wertstoff-Rückgewinnung

Bioraffineriekonzepte und Aufarbeitung von Algenprodukten

Mikroskopische Aufnahme der Mikroalge Chlorella, 1000-fache Vergrößerung.
© Fraunhofer IGB
Mikroskopische Aufnahme der Mikroalge Chlorella, 1000-fache Vergrößerung.
Wertstoffgewinnung: Zurückbleibende Algenbiomasse nach Extraktion unter Druck und In-Situ-Filtration im 40-Liter-Reaktor.
© Fraunhofer CBP
Wertstoffgewinnung: Zurückbleibende Algenbiomasse nach Extraktion unter Druck und In-situ-Filtration im 40-Liter-Reaktor.
Mikroalgenextrakte, von links nach rechts: N. oceanica, P. tricornutum und C. vulgaris. Die unterschiedliche Färbung der Extrakte ist bedingt durch algenspezifische Carotinoide.
Mikroalgenextrakte, von links nach rechts: N. oceanica, P. tricornutum und C. vulgaris. Die unterschiedliche Färbung der Extrakte ist bedingt durch algenspezifische Carotinoide.

Bei der Gewinnung von Wertstoffen aus Algenbiomasse und einer weiteren Nutzung der Restbiomasse (Kaskadennutzung) gelten besondere Anforderungen an die Aufarbeitung. Prinzipiell bestimmen der chemische Charakter und die Marktspezifikation, wie etwa der geforderte Reinheitsgrad des Produkts, die Aufarbeitungstechnik.

Weitere Anforderungen sind:

  • Die weitestgehende Vermeidung eines energieauf­wendigen Trocknungsschritts.
  • Die Lokalisierung der Komponenten in der Zelle und ein gezielter schonender Aufschluss, der die Funktionalität erhält (z. B. Vermeidung von Wärmeentwicklungen, welche die Funktionalität beeinträchtigen könnten), und
  • eine schonende Extraktion, um eine Aufarbeitung weiterer Zellkomponenten zu ermöglichen.

 

Extraktion von lipophilen Inhaltsstoffen mit überkritischen Fluiden

Zur Gewinnung von lipophilen Inhaltstoffen wie beispielsweise Fettsäuren und Carotinoiden gewinnt die Extraktion mittels überkritischer Fluide (supercritical fluids, SCF) immer mehr an Bedeutung. Der Vorteil hierbei ist, dass sowohl der Extrakt als auch die zurückbleibende Biomasse – im Gegensatz zur Extraktion mit organischen Stoffen – frei von gesundheitsschädlichen Lösungsmitteln ist. Das extrahierte Produkt kann somit direkt weiterverarbeitet und dem Markt als Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung gestellt werden.

 

Gewinnung weiterer Fraktionen

Aus der Restbiomasse können weitere Fraktionen gewonnen und aufbereitet werden, wie Proteine oder Kohlenhydrate aus Zellwänden. In einem integrierten Prozess zur Extraktion von polaren Lipiden wie Glyco- und Phospholipiden werden zur Erhöhung der Polarität überkritischer Fluide Co-Solventen wie Ethanol eingesetzt. Dies führt zu einer selektiven Extraktion polarer Lipide wie Eicosapentaensäure EPA; 20:5 n-3. Das unterschiedliche Extraktionsverhalten ohne und mit Co-Solvent kann auch für die aufeinanderfolgende selektive Extraktion von unpolaren Lipiden wie Triacylglyceriden oder Carotinoiden und polaren Lipiden gezielt genutzt werden.

Entwicklungsbeispiele: Wertstoffe für Ernährung, Landbau und Kosmetik

Eicosapentaensäure (EPA) und Fucoxanthin

Fucoxanthin, ein in der Lebensmittelindustrie gefragter natürlicher Farbstoff.
© Fraunhofer IGB
Fucoxanthin, ein in der Lebensmittelindustrie gefragter natürlicher Farbstoff.

Die Kieselalge Phaeodactylum tricornutum ist unter geeigneten Kultivierungsbedingungen in der Lage, große Mengen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, beispielsweise die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA, 20:5 ω-3), sowie photosynthese-assoziierte Pigmente wie Fucoxanthin zu bilden. Beide Inhaltsstoffe besitzen verschiedene gesundheitsfördernde und antioxidative Eigenschaften, weshalb die Gewinnung von entsprechenden Extrakten für die Lebensmittel-, Futtermittel- sowie Kosmetikindustrie von großem Interesse ist. Ein ernährungsbedingter Mangel an EPA etwa wird in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall gebracht. Die entzündungshemmende Wirkung von EPA wird bei Gelenkrheumatismus und Multipler Sklerose pharmazeutisch genutzt.

Im Rahmen des im Programm Bioökonomie Baden-Württemberg geförderten Projektes »Entwicklung von Zellaufschluss- und Extraktionsverfahren zur Kaskadennutzung von Algenbiomasse im Forschungsverbund Integrierte Nutzung von Mikroalgen für die Ernährung« wurde die Kieselalge P. tricornutum in Flachplatten-Airlift-Reaktoren (FPA-Reaktoren) im semi-kontinuierlichen Betrieb bei unterschiedlichen Lichtintensitäten kultiviert und der Einfluss der Lichtverfügbarkeit auf die Zusammensetzung der Biomasse hinsichtlich des EPA- und Fucoxanthingehalts untersucht.

Dabei zeigte insbesondere der Fucoxanthingehalt eine signifikante Abhängigkeit von der relativen Lichtverfügbarkeit, das heißt dem Verhältnis von Lichteintrag (auf der Reaktoroberfläche) zu Gesamtbiomasse im Reaktor und Zeit (in µmol Photonen g-1 Biotrockenmasse s-1). In Verbindung mit einer optimierten und gesteuerten Nährstoffversorgung konnten im FPA-Reaktor Fucoxanthingehalte von über 2 Prozent (w/w) erreicht werden [1].

Sowohl EPA als auch Fucoxanthin konnten nach mechanischem Zellaufschluss mittels subkritischer Hochdruckextraktion durch Einsatz geeigneter organischer Lösemittel mit Ausbeuten von über 90 Prozent gewonnen werden. Die Extrakte wurden hinsichtlich ihrer ernährungsphysiologischen Eigenschaften am Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Hohenheim untersucht und zeigen eine hohe antioxidative sowie antiinflammatorische Kapazität.

Referenzprojekte

FuTuReS –

Ökonomische und ökologische Bewertung eines Bioraffinerieansatzes zur Produktion von Fucoxanthin und EPA im Pilotmaßstab und transdisziplinär entwickelter Szenarien im Industriemaßstab in Deutschland

 

Das Gesamtziel des Projekts FuTuReS ist die ökonomische und ökologische Charakterisierung eines Prozesses zur Co‑Produktion des Carotinoids Fucoxanthin und der Omega‑3‑Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) mit der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum im Industriemaßstab in Deutschland.

 

Laufzeit: Oktober 2019 – Oktober 2021

Gewinnung von EPA-Ethylester mit überkritischen Fluiden

 

Ziel ist es, einen integrierten Prozess zur Gewinnung von EPA aus der Mikroalge Phaeodactylum tricornutum als wirtschaftliche Alternative zur EPA-Produktion aus Fischöl zu etablieren.

Produktion von EPA-haltiger Phaeodactylum-tricornutum-Biomasse

 

Ziel des Projekts ist die Bereitstellung von Phaeodactylum-tricornutum-Biomasse als Rohstoffquelle für die Lebensmittelherstellung. Sie enthält bis zu 5 Prozent (w/w) EPA, aber auch Carotinoide oder ß-Glucane, sowie bis zu 50 Pozent Proteine. Hierzu wird die Kultivierung auf einen größerenn Maßstab und Freilandbedingungen übertragen.

Zellaufschluss- und Extraktionsverfahren zur Kaskadennutzung von Algenbiomasse

 

Extrakte der Algeninhaltsstoffe Eicosapentaensäure (EPA) und Fucoxanthin konnten mit Ausbeuten von über 90 Prozent aus der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum gewonnen werden. Die antioxidativ und antiinflammatorisch wirkenden Substanzen eignen sich für Anwendungen in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie sowie der Kosmetik. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Forschungsprogramms Bioökonomie Baden-Württemberg im Forschungsverbund »Mikroalgen – Integrierte Nutzung für die Ernährung« erzielt.

MIATEST – Funktionelle Inhaltsstoffe aus Algen für gesunde Nahrungsmittel und zur Pflanzenstärkung im Weinbau

 

Das Projekt MIATEST befasst sich mit der Produktion funktioneller Inhaltsstoffe aus Kieselalgen und deren Anwendung im Weinbau und der Humanernährung. Am Fraunhofer IGB wird die Produktion der Inhaltsstoffe sowie deren Extraktion und Aufreinigung optimiert.

 

Laufzeit: November 2018 – Oktober 2020

Laminarin aus Kieselalgen für Pflanzenbau, Human- und Tierernährung

Diatomeen (Kieselalgen) nutzen (Chryso-)Laminarin als Energie- und Kohlenstoffspeicher. Das Polysaccharid ist ein (1,3),(1,6)-b-D-Glucan, das für Anwendungen im Lebensmittel-, Tierfutter- und Agrarsektor eingesetzt werden kann. Laminarin kommt zudem in der Zellwand von vielen − auch pathogenen − Pilzen vor. Da der Kontakt mit Laminarin die Abwehrsysteme von Landpflanzen induziert, eignet sich das Polysaccharid als Pflanzenstärkungsmittel. In der Literatur ist beschrieben, dass ein Einsatz von Laminarin die Infektion mit Botrytis cinerea oder Plasmopara viticola in Weinreben um 55 Prozent bzw. um 75 Prozent reduzieren kann [1]. Laminarin wirkt auch bei Wirbeltieren immunmodulatorisch. Besonders das Immunsystem im Verdauungstrakt reagiert auf einen Kontakt mit Laminarin [2].

Im Projekt MIATEST wird die Anwendung von Laminarin als Biostimulanz im Weinbau untersucht, zusammen mit der Landesversuchsanstalt für Wein- und Obstbau Baden-Württemberg, und die Anwendung in der Ernährung an der Universität Hohenheim. Dazu untersucht das Fraunhofer IGB Laminarin-Produktionsstämme, entwickelt einen zweistufigen Produktionsprozess und stellt laminarinhaltige Algenbiomassen für Testzwecke her.

Laminarin ist ebenfalls Gegenstand im EU-geförderten BBI-Projekt MAGNIFICENT, in dem die Bereitstellung von Inhaltsstoffen aus Mikroalgen für Lebens- und Futtermittel sowie Kosmetik untersucht wird. Derzeit wird u. a. der Einsatz von Laminarin in der Jungfischaufzucht untersucht.

Literatur

  1. Aziz, A. et al. (2003) Laminarin elicits defense responses in grapevine and induces protection against Botrytis cinerea and Plasmopara viticola. Molecular plant-microbe interactions : MPMI 16, 1118–1128
  2. Stuyven E. et al. (2009) Effect of β-glucans on an ETEC infection in piglets. Spec. Issue 8th Int. Vet. Immunol. Symp. 128 (1–3), 60–66
Phaeodactylum tricornutum, mikroskopische Aufnahme.
© Fraunhofer IGB
Phaeodactylum tricornutum, mikroskopische Aufnahme.
Laminarinreiche Biomasse von Phaeodactylum tricornutum.
© Fraunhofer IGB
Laminarinreiche Biomasse von Phaeodactylum tricornutum.
FPA-Reaktor zur Produktion von Phaeodactylum tricornutum.
© Fraunhofer IGB
FPA-Reaktor zur Produktion von Phaeodactylum tricornutum.

Proteinreiche Mikroalgen als Alternative für Fisch

Mikroalge Phaeodactylum tricornutum, 1000fache Vergrößerung.
Mikroalge Phaeodactylum tricornutum, 1000fache Vergrößerung.

Im Bereich Lebensmittel prädestiniert der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren Algen vor allem als Alternative zu Fisch – eine angesichts der Überfischung der Weltmeere lohnende Option. Anwendungsmöglichkeiten und ernährungsphysiologische Parameter wurden für die Mikroalge Phaeodactylum tricornutum in einem Projekt zusammen mit dem Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim in Stuttgart bereits untersucht.

So zeigten Analysen, dass getrocknete Mikroalgen neben einem Proteinanteil von fast 50 Prozent in der Trockenmasse auch nennenswerte Mengen der langkettigen Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure, kurz EPA, aufweisen. Laut einer ersten Studie der Universität Hohenheim sind Mikroalgen geeignet, den täglichen Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken. Zudem enthalten sie wasserlösliche Ballaststoffe, die wichtig für die Darmgesundheit sind, sowie Vitamin E und Carotinoide.

Durch Anpassung der Kulturbedingungen im Photobioreaktor des Fraunhofer IGB kann die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe gesteuert werden. Werden den Algen ausreichend Nährstoffe zugeführt, so produzieren sie besonders viel EPA. Wachsen die Algen unter Nährstofflimitierung, bilden sie mehr Ballaststoffe. 

Die Herstellung von Nahrungsmitteln aus Algen erfordert keine Ackerflächen und weniger Wasser. Dabei können die Einzeller unter kontrollierten Bedingungen in geschlossenen, vertikalen Photobioreaktoren kultiviert werden – unabhängig von saisonalen oder klimatischen Faktoren.

Schädlingsabwehrende Wirkstoffe aus Mikroalgen für den Ökolandbau

Anabaena.
© Fraunhofer IGB
Cyanobakterium Anabaena sp.
© Fraunhofer IGB
Im EU-Projekt EcoBug hergestellte Pellets enthalten Algenbiomasse, die Kohlfliegen abwehrt.

Schädlingsabwehrende Wirkstoffe aus Mikroalgen und Cyanobakterien eignen sich als ökologisch verträgliche Pflanzenschutzmittel auf biologischer Basis.

Für Anwendungen im ökologischen Anbau von Kohl oder im Bio-Weinbau haben wir am Fraunhofer IGB in abteilungsübergreifender Zusammenarbeit Prozesse zur Produktion von Mikroalgen mit Repellent- bzw. antifungischer Aktivität entwickelt.

Referenzprojekte

MIATEST – Funktionelle Inhaltsstoffe aus Algen für gesunde Nahrungsmittel und zur Pflanzenstärkung im Weinbau

 

Das Projekt MIATEST befasst sich mit der Produktion funktioneller Inhaltsstoffe aus Kieselalgen und deren Anwendung im Weinbau und der Humanernährung. Am Fraunhofer IGB wird die Produktion der Inhaltsstoffe sowie deren Extraktion und Aufreinigung optimiert.

 

Laufzeit: November 2018 – Oktober 2020

Ökologisches Pflanzenschutzmittel mit Mikroalgen gegen Pilzbefall von Weinreben

 

Derzeit behandeln die meisten Winzer im Ökoweinanbau ihre Reben bei Pilzbefall mit Mitteln, die als Wirkstoff das Schwermetall Kupfer enthalten. Das Kupfer reichert sich im Boden an und schädigt oder tötet unter anderem wertvolle Bodenmikroorganismen. Im Projekt ProEcoWine wurde eine Alternative untersucht.

Düngepellets mit Kohlfliegen abwehrenden Eigenschaften für den Ökolandbau – EcoBug

 

Im Ökolandbau dürfen keine chemisch synthetisierten Pestizide oder Dünger verwendet werden. Nach Richtlinien des Ökolandbaus angebaute Kohlsorten oder Raps werden daher recht häufig von Kohlfliegen, einem weit verbreiteten Pflanzenschädling, befallen. Dies führt mitunter zu starken Ernteeinbußen. Im Projekt EcoBug wurde eine natürliche Alternative zum Schutz vor Kohlfliegen untersucht.

Astaxanthin-Produktion mit Haematococcus pluvialis

Photobioreaktor in Ost-West-Richtung aufgestellt, mit grünen wachsenden Algen.
Photobioreaktor in Ost-West-Richtung aufgestellt, mit grünen wachsenden Algen.
Photobioreaktor in Nord-Süd-Richtung aufgestellt sind der direkten Sonne ausgesetzt. Nun akkumulieren die H.-pluvialis-Zellen das rote Pigment Astaxanthin.
Photobioreaktor in Nord-Süd-Richtung aufgestellt sind der direkten Sonne ausgesetzt. Nun akkumulieren die H.-pluvialis-Zellen das rote Pigment Astaxanthin.

Haematococcus pluvialis SAG 192.80 ist eine einzellige Süßwasseralge, die in einem zweistufigen Prozess bis zu fünf Prozent ihrer Biomasse das Ketocarotinoid Astaxanthin akkumuliert. Astaxanthin kann sowohl als Pigment in der Aquakultur (z. B. als roter Lachsfarbstoff) als auch auf Grund seiner starken antioxidativen Wirkung in Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetikprodukten eingesetzt werden.

Im Herbst 2002 wurden im Freiland (Institutsgelände Stuttgart) im neu entwickelten FPA-Reaktor Biomassezuwachsraten bis zu 0,25 g TS l-1 d-1 bei Zellkonzentrationen von bis zu 2,5 g TS l-1 erzielt. Dies sind die höchsten, bisher für Haematococcus pluvialis erzielten Werte 2,3, zurückzuführen auf die gute Lichtverteilung im Fotobioreaktor. Die Bildung von Astaxanthin wird durch hohe Lichtintensitäten (direkte Sonne), Nährstoffmangel oder Induktoren wie Acetat und Kochsalz induziert. Werden diese Faktoren im Batch-Verfahren berücksichtigt, nimmt das Zellgewicht nochmals um den Faktor drei bis vier zu, gleichzeitig erreicht der intrazelluläre Astaxanthingehalt bis zu fünf Prozent des Zelltrockengewichtes.

Im Freiland wurden im FPA-Reaktor Biomassekonzentrationen von Haematococcus pluvialis von bis zu 10 g TS l-1 erreicht. Mit dieser hohen Zelldichte ist eine wichtige Voraussetzung für die industrielle Astaxanthin-Produktion erfüllt.

Entwicklungsbeispiele: Speicherstoffreiche Algenbiomasse zur energetischen oder chemischen Nutzung

Algenbiomasse zur energetischen Nutzung

Mikroskopische Aufnahme der getesteten Mikroalge.
© Fraunhofer IGB
Mikroalge mit Speicherlipiden

Algen weisen je nach Wachstumsbedingungen einen hohen Protein-, Kohlenhydrat- oder Lipidgehalt auf. Schnell wachsende Algen haben einen hohen Proteingehalt, der alle proteinogenen Aminosäuren enthält. Bei Wachstumslimitierung durch Stickstoff- oder Phosphatmangel und gleichzeitigem CO2- und Lichtangebot bilden viele Algen jedoch Kohlenhydrate oder Lipide als Speicherstoffe.

 

Speicherlipide als Kraftstoff

Algen können dabei Lipidgehalte von bis zu 70 Prozent und Stärkegehalte von bis zu 60 Prozent erreichen. Speicherlipide sind vor allem Triacylglyceride mit den Hauptfettsäuren C16:0, C16:1 und C18:1, welche vorwiegend als Kraftstoff – entweder durch die Gewinnung des Öls oder nach Umesterung als Biodiesel – von Interesse sind.


Stärke zur Produktion von Kraftstoffen oder Basischemikalien

Stärke kann als Substrat für verschiedenste biotechnologische Prozesse wie die fermentative Ethanolherstellung zur Produktion von Kraftstoffen oder Basischemikalien genutzt werden. Für die Stärkeproduktion mit Mikroalgen wurde im IGB ein zweistufiger Prozess etabliert, ins Freiland übertragen und bis zur Pilotproduktion im kg-Maßstab weiterentwickelt.

Referenzprojekte

Lipidreiche Algenbiomasse als regenerativer Energieträger

 

Für die Produktion von Algenbiomasse zur energetischen Verwertung ist eine Übertragung dieses Prozesses in das Freiland unter Nutzung des Sonnenlichts notwendig. Hier besteht die Herausforderung darin, einen Prozess zu etablieren, der auch unter variierenden Bedingungen im Freiland stabil läuft und Biomasse mit hohem Lipidgehalt generiert.

Bioraffinerie auf Basis stärkereicher Algenbiomasse

 

Biokraftstoffe wie Ethanol oder Biodiesel werden aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Eine Alternative, die ohne die Nutzung von auch für die Nahrungsmittelproduktion benötigten Ackerflächen auskommt, stellt die Produktion von Biokraftstoffen auf der Basis von Mikroalgen dar. Ziel des Projekts war die Erzeugung stärkehaltiger Algenbiomasse in geschlossenen Photobioreaktoren und die Nutzung der Hauptkomponente Stärke für die Produktion von Ethanol.

Laufzeit: Dezember 2012 – November 2015

DeDeBio – Optimierte Vergärung von Algenbiomasse durch Modellierung und Simulation

 

Im Rahmen Projektes werden mathematische Modelle für die Auslegung dezentraler Biomasse-Kraftwerkskonzepte entwickelt. Zur Erzeugung von Biogas soll sowohl ein thermisches Holzvergasungsverfahren (DLR) als auch ein biologisches Verfahren, mit Algen als Ausgangsstoff, betrachtet werden.

Durch die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Ressourcen wird es für die Textilindustrie immer wichtiger, alternative Rohstoffe für die Herstellung von Fasern in Textilien zu identifizieren und zu entwickeln.

Im Forschungsprojekt AlgaeTex wurden verschiedene Polymere hergestellt, die zu einem möglichst hohen Anteil aus algenbasierten Fettsäuren bestehen sollen. Ziel war die Entwicklung von schmelzspinnbaren Polyestern, um einen breiten Einsatz in der Textilindustrie zu ermöglichen.

Wasserstoffproduktion über Direkte Photolyse mit Mikroalgen

»Grüner« Wasserstoff (H2), der mittels Elektrolyse von Wasser mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, gilt als Schlüsselelement der Energiewende. Das Fraunhofer IGB geht in zwei aktuellen Projekten einen neuen Weg, um den klimaneutralen Energieträger und Industrierohstoff herzustellen: Mit biotechnologischen Verfahren, beispielsweise Mikroorganismen (Purpurbakterien) oder Mikroalgen, soll Biowasserstoff aus Reststoffströmen wie Altholz oder Spülabwässern erzeugt werden.

Im Projekt SmartBioH2 wurde zur Wasserstoffherstellung mithilfe von Mikroalgen ein neuartiges Konzept gewählt, das auf der Direkten Photolyse basiert. Durch eine Immobilisierung der Algen und ein spezielles Reaktorsetup soll der Sauerstoff, der von den Algen als Nebenprodukt zum Wasserstoff produziert wird, effizient auf einen Partialdruck von unter 100 ppm im Reaktorgasvolumen abgeschieden werden können. Die kontinuierliche Entfernung des Sauerstoffs resp. der tiefe Sauerstoffpartialdruck im Reaktor ist für das Funktionieren des Prozesses entscheidend. Ist der Gehalt an Sauerstoff im System zu hoch, oxidieren die extrem empfindlichen Enzyme, welche für die Wasserstoffproduktion benötigt werden.

Nach dem Aufbau der Versuchsanlage im Labor konnten in Kurzzeitversuchen erste erfolgreiche Messungen von Wasserstoff gemacht werden. Das System ist jedoch noch nicht optimiert. Insbesondere das Verfahren zur Immobilisierung der Mikroalgen muss noch weiterentwickelt und optimiert werden. Das gewählte Konzept zur Wasserstoffherstellung mit Mikroalgen lässt sich gut hochskalieren und soll in einer geplanten Anlage im Technikumsmaßstab zur Anwendung kommen.

In einem zweiten Laboraufbau konnte auch die Abscheidung von Sauerstoff erfolgreich getestet werden, wobei eine bereits bekannte Methode zur Sauerstoffabscheidung zur Anwendung kam. Mit dem Aufbau war es schließlich möglich, den Sauerstoffpartialdruck innerhalb kurzer Zeit unter die für die Wasserstoffproduktion kritische Grenze zu bringen.

Referenzprojekte

FuTuReS –

Ökonomische und ökologische Bewertung eines Bioraffinerieansatzes zur Produktion von Fucoxanthin und EPA im Pilotmaßstab und transdisziplinär entwickelter Szenarien im Industriemaßstab in Deutschland

 

Das Gesamtziel des Projekts FuTuReS ist die ökonomische und ökologische Charakterisierung eines Prozesses zur Co‑Produktion des Carotinoids Fucoxanthin und der Omega‑3‑Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) mit der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum im Industriemaßstab in Deutschland.

 

Laufzeit: Oktober 2019 – Oktober 2021

Gewinnung von EPA-Ethylester mit überkritischen Fluiden

 

Ziel ist es, einen integrierten Prozess zur Gewinnung von EPA aus der Mikroalge Phaeodactylum tricornutum als wirtschaftliche Alternative zur EPA-Produktion aus Fischöl zu etablieren.

Produktion von EPA-haltiger Phaeodactylum-tricornutum-Biomasse

 

Ziel des Projekts ist die Bereitstellung von Phaeodactylum-tricornutum-Biomasse als Rohstoffquelle für die Lebensmittelherstellung. Sie enthält bis zu 5 Prozent (w/w) EPA, aber auch Carotinoide oder ß-Glucane, sowie bis zu 50 Pozent Proteine. Hierzu wird die Kultivierung auf einen größerenn Maßstab und Freilandbedingungen übertragen.

Zellaufschluss- und Extraktionsverfahren zur Kaskadennutzung von Algenbiomasse

 

Extrakte der Algeninhaltsstoffe Eicosapentaensäure (EPA) und Fucoxanthin konnten mit Ausbeuten von über 90 Prozent aus der Kieselalge Phaeodactylum tricornutum gewonnen werden. Die antioxidativ und antiinflammatorisch wirkenden Substanzen eignen sich für Anwendungen in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie sowie der Kosmetik. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Forschungsprogramms Bioökonomie Baden-Württemberg im Forschungsverbund »Mikroalgen – Integrierte Nutzung für die Ernährung« erzielt.

MIATEST – Funktionelle Inhaltsstoffe aus Algen für gesunde Nahrungsmittel und zur Pflanzenstärkung im Weinbau

 

Das Projekt MIATEST befasst sich mit der Produktion funktioneller Inhaltsstoffe aus Kieselalgen und deren Anwendung im Weinbau und der Humanernährung. Am Fraunhofer IGB wird die Produktion der Inhaltsstoffe sowie deren Extraktion und Aufreinigung optimiert.

 

Laufzeit: November 2018 – Oktober 2020

EPI-CES –

Effiziente Primärraffination von Mikroorganismen durch die Integration von Zellaufschluss, Extraktion und Separation am Beispiel von Mikroalgen

 

Bei der Herstellung biobasierter Produkte stellt die Aufarbeitung der mikrobiellen Biomasse einen wesentlichen Kostenfaktor dar. Ziel des Projektes EPI-CES ist es, eine integrierte Downstream-Prozesskette für Mikroalgen-Inhaltsstoffe zu etablieren und in einer Laboranlage zu demonstrieren, die aus Zellaufschluss, Extraktion und Separation besteht. Dabei kommt u. a. die Druckwechseltechnologie für einen Zellaufschluss mit Freisetzung von Metaboliten sowie die Pressurized Liquid Extraction (PLE) zum Einsatz.