Molekularbiologisches Detektionssystem zum Nachweis humanpathogener Viren in Abwasser
In konventionellen Abwassersystemen wird das gereinigte Abwasser nach der Kläranlage in ein Oberflächengewässer eingeleitet. Diese werden anschließend durch mehrere natürlichen Prozesse weiter stark verdünnt und abgebaut: durch Zufluss von Frischwasser, Einwirkung von natürlichem UV-Licht, Sedimentation sowie durch biologischen Abbau und Filtration beim Versickern bis zum Grundwasser.
In hydroponischen Anlagen mit verkürztem oder geschlossenem Wasserkreislauf entfallen diese natürlichen Verdünnungs- und Abbauprozesse. Das aufbereitete Abwasser wird direkt wieder zur Bewässerung genutzt. Dadurch könnten verbleibende Viren nicht verdünnt werden und sich theoretisch über mehrere Kreisläufe anreichern. Besonders relevant sind humanpathogene Viren wie Noroviren, Adenoviren oder Hepatitis-A- und Hepatitis-E-Viren, da diese bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen infektiös sein können und über das Bewässerungswasser unmittelbar auf essbare Pflanzenteile gelangen.
Voranreicherung mittels Ultrafiltration ermöglicht Detektion auch geringer Virusmengen
Vor diesem Hintergrund ist eine gezielte und sensitive Überwachung auf solche Viren im Kreislaufwasser besonders wichtig. Am Fraunhofer IGB wurde daher ein molekularbiologisches Detektionssystem entwickelt. Zunächst wird das Abwasser mittels Ultrafiltration konzentriert: Durch Membranen mit Porengrößen im Nanometer-Bereich werden Viren physisch aus großen Wasservolumina abgetrennt und in einem kleinen Volumen stark angereichert. Diese Voranreicherung ist entscheidend, um auch sehr geringe Virusmengen nachweisbar zu machen. Das konzentrierte Material wird anschließend mittels quantitativer Echtzeit-PCR (qPCR) analysiert. Spezifische Primer und Sonden ermöglichen den gezielten, parallelen und quantitativen Nachweis relevanter humanpathogener Viren. Das Verfahren ist robust gegenüber typischen Hemmstoffen im Abwasser und liefert innerhalb weniger Stunden ein zuverlässiges Ergebnis.
Durch die Kombination aus Ultrafiltration und qPCR kann die mikrobiologische Sicherheit des wiederverwendeten Bewässerungswassers regelmäßig und verlässlich überwacht werden – eine zentrale Voraussetzung für den sicheren und nachhaltigen Betrieb hydroponischer Produktionssysteme mit Abwasserwiederverwendung. Gleichzeitig leistet diese Form der Wasserwiederverwendung einen wertvollen Beitrag zur Schonung der Ressource Wasser, zur Rückführung von Nährstoffen und zur deutlichen Reduzierung des Frischwasserbedarfs in der Lebensmittelproduktion.